Textbeitrag

Es geht die Kunde um, dass es in Frankfurt eine Agentur gegeben hat, die an einem ganz gewöhnlichen Montag alle Mitarbeiter über fünfzig in den großen Konferenzraum rief, um ihnen dort mitzuteilen, dass sie ab morgen nicht mehr zu kommen brauchen. Hammer, oder? Ja, aber auch nicht so ganz ungewöhnlich. Ich muss allerdings dazu sagen: Die Geschichte hat sich vor einigen Jahren zugetragen. Damals also, als es noch schick(er) war, in der Kommunikationsbranche zu arbeiten.

Werbeagenturen haben´s selbst verbockt 

Und das obige “Drama” ist sicherlich ein Paradebeispiel dafür. Warum? Weil man seine eigene Wichtigkeit schon immer gnadenlos überschätzt hat und jetzt vor einem echten Dilemma steht. Der dringend benötigte Nachwuchs hat nämlich längst ganz andere reizvolle Felder im Bereich “Medien” für sich entdeckt (man denke nur an professionelle Blogger und Konsorten). Die sind i.d.R. auch nicht viel tiefgründiger, aber sowas lässt sich immer noch besser verkaufen, als der Job in einer Werbeagentur (Stichwort: Kommerzkacke). Die Älteren wiederum wollen nicht mehr in dieser Mühle schrubben und sich von einem Jungdynamiker etwas über “geiles Zeug” weismachen lassen. Beweise? All meine Kollegen, die über der magischen Zahl 50 lagen, hatten plötzlich wieder Jobofferten. Haben sie diese angenommen? Ja, aber nur für ein paar Wochen.

Plötzlich ist das nix mehr…

Die Damen und Herren der seniorigen Liga hatten einfach keine Lust mehr auf ellenlange Meetings, die vor allem der Selbstdarstellung dienten. Sie hatten genug vom Schauspiel ohne Inhalt und suchten sich ganz schnell was anderes (oder gar nix). Klinge ich verbittert? Ja! Ich bin es auch. Wenn man aus einem Business mehr macht, als es tatsächlich ist und dazu noch Peinlichkeiten über die coole Betriebskultur  in die sozialen Netzwerke stellt, kann das schon frustrierend sein. Sollte ich es mit der Werbung dann so machen, wie es der Verbraucher auch macht? Einfach den “Egalknopf” drücken? Nein. Dann bräuchte es HEB ja nicht zu geben. Eben!

 

 

Von meinen langen Jahren in den Agenturen und als Freiberufler werde ich an dieser Stelle noch ausführlicher berichten. Doch zunächst möchte ich einen kleinen Ausflug in meine Tätigkeit als Dozent machen. Ja, ich habe selbst das Fach „Werbetexter“ unterrichtet und das sogar über einen ziemlich langen Zeitraum. Einst war ich also Student an einer privaten Institution und dann wurde ich Lehrkraft an einer Ebensolchen. In meinen Unterricht kamen dann Menschen mit unterschiedlichster Motivation. Doch ein Ziel hatten alle gemeinsam: Sie wollten „irgendwas mit Medien“ machen.

Wo liegt der Hase jetzt im Pfeffer?

Kommen wir zurück auf die Frage, ob man kreatives Schreiben lernen kann. Das wird einem nämlich von den privaten Bildungseinrichtungen immer wieder suggeriert. Das mag zu einem gewissen Teil auch stimmen, doch wie ich schon sagte: Es muss was in der DNA sein, um mit diesem Beruf später auch etwas anfangen zu können. Übrigens sehe ich das bei Grafik-Designern genauso. Ich weiß hierbei sogar ziemlich genau, wovon ich rede, denn private Institute lassen den pädagogischen Inhalt und/oder die persönliche Neigung des einzelnen gerne mal zugunsten der Studiengebühren in die zweite Reihe rutschen.

Werbetexter mit erschreckender Fehlerquote

Mussten Sie schon einmal einen Schüler durch eine Prüfung bringen, die er niemals hätte bestehen dürfen? Nicht? Ich schon. Und nicht nur einen. Aus diesem Grund habe ich meinen Unterricht dort auch nicht mehr fortgeführt und will jetzt lieber wieder etwas machen, dass in gewisser Weise ehrlicher und authentischer rüberkommt. Deshalb habe ich – der Werbetexter – die High End Belästigung in´s Leben gerufen Wir unterscheiden uns in der Arbeitsweise und auch im Selbstbild von anderen Agenturen. Das macht schon allein der Name deutlich. Die Claims abstecken und dann Kommunikation auf den Punkt bringen und mit hohem Unterhaltungswert ausstatten – das ist des Ziel von HEB! Anders gesagt: Tiefe statt Superlative. Geschwätz gibt es da draußen wahrlich schon genug. Dafür verantwortlich sind übrigens nicht nur Werbetexter.

Joachim Georg

Nun ja, diese Frage stelle ich mir bis heute. Wie Sie ja bereits im letzten Beitrag lesen konnten, geht meine Biografie nun ein Stückchen weiter. Nach der BWL-Geschichte und dem Schauspieltraum (der es ja dann auch blieb) musste ich noch etwas tun. Ich hatte sozusagen, das Bedürfnis bildungsmäßig noch einen draufzusetzen. Woher kam dieser plötzliche Ehrgeiz? Es lag an meinem Zivildienst! Jetzt fragt sich der geneigte Leser, was um alles in der Welt hat das denn damit zu tun? Nun, die „Zivis“ waren damals i.d.R. die Jungs mit höheren Ambitionen. Die meisten hatten ein gutes Abitur und wollten Anwalt oder Arzt werden. Diese beiden Fächer kamen für mich nicht infrage, aber so ein BWL-Ding war schon im Bereich des Machbaren und wenn ich auch mit Zahlen nicht so recht konnte – mit Buchstaben sah das schon anders aus.

Ein privates Institut als Lösung

Mit dem BWL-Abschluss in der Tasche verschlug es mich dann nach Wiesbaden. Dort gab es damals das IMK – das private Institut für Marketing-Kommunikation. Eines der Fächer war auch „Werbetext“. Langer Schwede-kurzer Finn: Ich hatte meinen Lieblingsunterricht gefunden. Ja, das machte mit tatsächlich Spaß. Über neuen Ideen brüten und Produkte in einem gänzlich anderen Licht erschein zu lassen war mein Ding. Das Vollzeit-Studium erstreckte sich über ein Jahr und schon vor dem offiziellen Ende hatte ich einen Job in der Tasche.

Kreatives Schreiben wollten ja so viele lernen bzw. machen!

Doch letztendlich war ich der Einzige, der als Texter in einer Agentur landete. Und somit kommen wir zurück zur Anfangsfrage: Warum gab es nicht mehr davon in einem Klassenverbund von immerhin 30 Studenten? Ich jedenfalls bin der festen Überzeugung, dass man dieses Handwerk nur bedingt erlernen kann. Eine natürliche Begabung, irgendeine Art von Talent muss schon vorhanden sein, sonst wird das nix. Aber davon mehr in meiner nächsten Geschichte, die sich mit diesem Thema noch ausführlicher auseinandersetzt. Seine Sie schon jetzt gespannt und gewarnt!

Joachim Georg

Zunächst einmal gilt festzustellen, dass ich in der Schule nicht immer die hellste Kerze auf der Torte war. Besonders Fächer wie Mathe, Physik und Chemie waren eine ziemliche Katastrophe. Aber in Deutsch, Englisch und Blödsinn war ich da schon deutlich besser. Umso verwirrender ist dann der Aspekt, dass ich mich für ein betriebswirtschaftliches Studium entschieden habe. Und – man höre und staune – ich hielt durch bis zum Schluss.

Hat mir das Spaß gemacht?

Überhaupt nicht. Im großen und ganzen habe ich zu diesem – immer noch sehr populären Studiengang – heute eine eher zwiespältige Meinung. Warum? Nun, unsere Welt ist einfach zu schnelllebig geworden, als das man hier bleibende Werte vermitteln könnte. Beispiel gefällig: Als ich die Studentenbank drückte, wollte jeder so sein wie Gordon Gecko – Sie wissen schon, der aalglatte Börsenhai, den Michael Douglas so beeindruckend verkörperte. Ja, das war damals ein echtes „Business-Idol“. Versuchen Sie mal heute noch jemanden zu finden, der so sein möchte!!! Ich könnte wetten, die Suche wird alles andere als leicht. Nach der folgenschweren Finanzkrise vor über einem Jahrzehnt hat es diese Branche in Sachen Akzeptanz schwer.

Ist es in der Kommunikation genauso?

Ich glaube: Es ist ähnlich. Wir Werber haben allgemein nicht den besten Ruf und das natürlich nicht ganz zu unrecht. Gelten wir doch vielen als sehr oberflächlich und gerade Texter werden gerne mal als „Sprücheklopfer“ bezeichnet. Mich allerdings, hat das nicht abgehalten, in die Branche mit Namen Kommunikation einzusteigen. Teilweise auch mangels Alternative. Anders gesagt: Ich wusste nicht so recht, was ich sonst machen sollte. Ich wollte nach dem BWL-Studium sogar noch eine Schauspielausbildung machen und bestand sogar eine nicht ganz leichte Aufnahmeprüfung. Ich habe es dann nicht gewagt. Bedaure ich das heute? Ich bin mir nicht sicher. Aber für einen Kreativen in der Kommunikation ist das alles auch nicht außergewöhnlich. Wie es dann weiter ging? Bleiben Sie dran.

Joachim Georg